Dez
21
Helga Sachse-Höfle
Dezember 21, 2005 | Comments Off
Der Weihnachtsstern ist der am besten behütete Stern am Himmel.
Einmal im Jahr wird er vom großen Himmelsgewölbe herunter geholt werden. Er muss für das große Ereignis poliert werden, denn Millionen von Menschen suchen ich in der Weihnachtsnacht. Einmal hatten die großen Engel keine Zeit für diese mühsame Arbeit und beauftragten den kleinsten Engel damit. Er [...]
Dez
7
Rainer Wedler
Dezember 7, 2005 | Comments Off
Inselspringen
die Hosen aufgepumpt
mit hartem Wasser und kalten Fischen
die blauen Hosen des Matrosen
der Himmel färbt sie
wie er will
die Inseln
des Matrosen
sind Trittsteine über den Horizont
geb. 1942, nach dem Abitur als Schiffsjunge in die Türkei, nach Algerien und Westafrika. Studium: Germanistik, Geschichte, Politik, Philosophie. Promotion über Burleys “Liber de vita”. Lyrik, Kurzprosa, Roman. Verheiratet, zwei Söhne.
Veröffentlichungen u.a.: “Die [...]
Nov
23
Eric Scherer
November 23, 2005 | Comments Off
Am fatalsten verhielt es sich mit Godzillas Schwanz. Der schwang unkontrolliert hinter ihm her, eine Laune der Natur, die vor allem bei Körperdrehungen verheerende Folgen hatte. Der gigantische Reptilienschwanz pendelte einfach Hochhäuser, Lastkräne oder Güterzüge weg, ohne dass das Echsenwesen dies beabsichtigte. Schließlich hatte es hinten keine Augen. Und es sagte ihm ja auch niemand, [...]
Nov
9
Dr. Treznok
November 9, 2005 | Comments Off
sich eininseln
ein Meer hat mehr Grenzen
als eine Insel – die hat bloß eine
aber ein Meer hört überALL auf
und kann dann nicht weiter
eine Insel ist fast unbegrenzt
eine einzige Grenze ist wenig
nach Allen Seiten Freiheit
nach Innen das Selbst
aus: “Köln-Koog & Anderswo”
geb. 1963, reinkarniert 1991/Musikant & Lyrikant/Flaschenpost-Beamter/lebhaft in Mainz/Lyrik über den Buchhandel beziehbar (macht meine Verleger glükklich!).
Okt
26
Julia Mantel
Oktober 26, 2005 | Comments Off
Ich häng gern ab
Abhängen
cooles Wort
zum Beispiel
Deine Photos
abhängen.
geb. 1974, lebt in Karben bei Frankfurt/Main. Studium der angewandten Kulturwissenschaft in Lüneburg. Musikjournalistisches Schreiben für Sonic Press und Intro. Seit sieben Jahren Beschäftigung mit Lyrik und Kurzprosa. Veröffentlichungen in Anthologien.
Sep
28
Gerhard Henschel
September 28, 2005 | Comments Off
Im Doppelstockbett durfte Volker oben schlafen, weil er drei Jahre älter war als ich. Dafür war er drei Jahre jünger als Renate. Zum Beten faltete Mama ihre Hände über meinen. Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm. „und jetzt will ich keinen Mucks mehr hören!“ Meine Beine waren mit Bademantelgürtel an [...]
Sep
14
Kathrin Röggla
September 14, 2005 | Comments Off
nee, schlafen sei nicht schick, „das kommt nicht so gut an“. wer schlafe, sei auch schlecht beraten, so als berater (lacht), man würde eben viel arbeiten, und man würde ja auch viel nachts arbeiten, „also wenn man um 18 uhr geht, kommt üblicherweise der spruch: ob man sich einen halben tag freigenommen habe?“ das [...]
Aug
31
Nora-Eugenie Gomringer
August 31, 2005 | Comments Off
Gegenseitig
In einer Nacht dreimal
Mit dem Liebsten
Oder mit einem x-beliebigen
Geschlafen oder an einer Ecke gestanden
Und über einen Preis verhandelt
Vielleicht ginge man doch einfach mit
Und drücke sich die Augen zu
geb. 1980, ist Deutsche und Schweizerin, Rezitatorin und Autorin und ist zwischen Deutschland und den USA aufgewachsen. Als Lyrikerin hat sie 2002 ihren zweiten Gedichtband “Silbentrennung” veröffentlicht und [...]
Aug
17
Sten Nadolny
August 17, 2005 | Comments Off
Schwarz und verkrustet kauerte Hermes zwischen zwei kleinen Gebüschen aus dornigem Wolfsmilchkraut, den Rücken an einen Stein gelehnt. [ . . . ] Wie gern hatte er als Kind in Wäldern und Sümpfen, an Quellen und in prächtigen Wiesen gesessen, vor allem an den Wegkreuzungen der Menschenwelt, regungslos und einsam wie ein Steinkegel, und sich [...]
Aug
3
Nikolaus Schneider
August 3, 2005 | Comments Off
Der Aberglaube ist eigentlich wieder Herr über die Künste geworden und hat sie zu Grunde gerichtet. Aber nicht er allein, auch das Enge Bedürfniß der neuern, der nördlichen Völcker. Denn auch die Pfalz ist noch nördlich und die Ludwigshafener waren auch nur Barbaren, die das Schöne raubten, wie man ein schönes Weib raubt. Sie plünderten [...]