Archiv für das Jahr: 2006

Olaf neopan Schwanke

Seinetwegen

Nächtetiefes Nähertreten
auf befrostetem Gelände,
rau zerpflückten Rosenbeeten.

Ziemlich aufgewühlte Hände
irisieren unser Wollen.
Schimmernd fragst du, wie ich’s fände.

Schlaf befragt uns, ob wir’s sollen.
Nimmermüdes Nebellachen,
ölig trinkt es aus dem Vollen.

Lautlos liegen deine Sachen
tagbetrunken überall herum. Sie sind Propheten
eines weichen „morgen-werden-wir-vielleicht-erwachen.“

Studium der Kunst und Germanistik und der Neuen Deutschen Literaturwissenschaften an der Universität-GH Siegen. Unterrichtet seit 2001 an der GTS „Don Bosco“ in Herdorf Kunst und creative writing. Freie künstlerische und literarische Tätigkeit, viele Einzel- und Gruppenausstellungen, zum Teil mit Katalogen. Veröffentlichungen von Hörspielen, Erzählungen, Gedichten und Illustrationen in Monographien und Anthologien, 1998 und 2000 nominiert für den Literaturpreis des Ministeriums für Kultur des Landes NRW. Erhielt 2006 den Siegener Literaturpreis vo:pa! Lebt und arbeitet in Siegen und im Westerwald.
Neue, nur beim Malerdichter erhältliche, limitierte Veröffentlichung vom August 2006: “narcissneu” (hieraus die gelesenen Texte des Literaturtelefons).

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Christa Kempter

Zuerst hatte Lucy eine rosa Feder im Sand entdeckt.
Sie zog daran, doch die Feder steckte fest.
Sie buddelte ein wenig und sah einen ganzen Flügel.
Sie buddelte weiter und weiter
und hielt einen Engel an der Hand.

aus: “Lucy und der Engel”

geb. 1945 in Ingelheim. Dort arbeitet sie als Kinderbuchautorin, schreibt außerdem Geschichten für Rundfunk, Fernsehen, Anthologien und Kinderzeitschriften. Veröffentlichungen u.a. “Lauter wilde Räuberkerle”; “Meine allerschönsten Mutmachgeschichten”; “Liebes kleines Schaf” (Bilderbuchtext).

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Eugen Egner

den 2:ten November 1787

nach der Singeacademie mit den Weberschen und dem Süssmayer prallwurst im prater gegessen. kam der Schickander und gaab uns kleine pillulen, daß wir kaum noch zwischen Domm und sperrstunde hindurch paßten. alsdann zum Beethoven, unter seinem fenster ein fatales notturno aufgeführt ad libitum: Betthoven, alter salatschnauzer, fischplattler, schneyder gottes, panoramascheibist! – trägst kleidchen aus waschlappen und Hosen aus rinde! – der Beethoven indes hörte gar nichts darvon, warff also auch nicht mit seinem werkverzeichnüß nach uns. gar lustig und kindisch waren wir. Vor lachen kriegt ich schier das schmeissen.

aus: “Die Tagbücher des W. A. Mozart”

geb. 1951 in Ingelfingen, lebt als Schriftsteller und Zeichner in Wuppertal. 2003 erhielt er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.

Veröffentlichungen u. a.: “Gift Gottes” (2003), “Die Durchführung des Luftraums” (2002), “Die Eisenberg-Konstante” (2001) , “Aus der Welt der Menschen” (2001) , “Die Tagebücher des W. A. Mozart” (1998) , “Getaufte Hausschuhe und Katzen mit Blumenmuster” (1996), “Als der Weihnachtsmann eine Frau war und andere erstaunliche Geschichten” (1992), “Aus dem Tagebuch eines Trinkers” (1991).

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Imre Török

Künftiges allein. Bewegt. Sich. Auf uns zu. Zukunft spielt offen mit Spielbereiten.
Spannt im Morgengrauen ihren Silberfaden, krallt Füßchen daran fest, schmiegt ihre flatternden Flügel ans Rotschimmer-Gefieder und singt. In den freien Nordwind. Vom Mut der Demut.
Zwischen verspielten Lächeln der Nacht auf Rosenlippen, zwischen all diesem Gutbösen des Irdischen tagtäglich, vielleicht schaute ich, im Buchstabenchaos, im Rausch der Photonen, ein Körnchen Wahrhaftiges.
Und es war wie Licht in Licht in Stein.

aus: “Licht in Stein”

Bundesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Ungarischen Schriftstellerverband. Der Schriftsteller ist gebürtiger Ungar, kam als Jugendlicher nach Deutschland. Nach Erlernen der deutschen Sprache Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie (bei Ernst Bloch) in Tübingen. Dozent, Journalist, Leiter eines städtischen Theaters u. a. zeitweilige Brotberufe. Überwiegend freiberuflich als Schriftsteller und Kultur-Arbeiter tätig. Schreibt Kurzgeschichte, Roman, Märchen, poetische Prosa, Sachbuch. Wohnt in Isgazhofen im All(Gäu).

Veröffentlichungen u.a.: “Licht in Stein” (Edition Wuz (www.edition-wuz.de), “Ameisen und Sterne”, “Cagliostro räumt Schnee am Rufiji”, “VS-Handbuch. Ein Ratgeber für AutorInnen”, “Dichter am See”, “Un-gar. Reflexionen eines Grenzgängers”, “A kert fele (Hälfte des Gartens)”, “Vom Biss in den Apfel”.

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Anna Rheinsberg

Er schenkt mir eine Kette aus bunten Glasperlen. Er schenkt mir kleine Kuchen und einen Fisch, eine Plastikform zum Kiesel-, Dreck-, und Muschelbacken. Ein Kind hat den Fisch verloren. Strandgut. Er schenkt mir Wörter, eine mit Straß besetzte Agraffe und zwei Federn eines Reihers. Sein Schatten fällt auf meinen, wenn wir vom Kastell aus über die Klippen laufen.

us: “Basco”
geb. 1956 in Berlin, lebt als freie Schriftstellerin in Marburg/Lahn. Lyrikerin, Prosaautorin, Essayistin. Das Studium der Germanistik und Volkskunde schloß sie mit einer Arbeit über Claire Goll ab. Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds Darmstadt. Mitarbeiterin des Frauenfunks im Hessischen Rundfunk. 2005 erhielt sie den 2. Preis des Literaturwettbewerbs „Nordhessen Intim“.

Veröffentlichungen u.a.: “Basco” (Roman 2004); “Schau mich an” (Roman 2000); “Liebe Hanna Deine Anna. Briefe über Liebe und Literatur”, zusammen mit Hanna Mittelstädt (Briefe 1999); “Narcisse Noir” (Gedichte 1990); “Alles Trutschen. Geschichten über Mädchen” (Erzählungen 1983).

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Manfred Keitel

Lebensversicherung

die Vertreter
schreiten aus
ihre Versicherungen
in die Koffer gepackt

hinein
in den Schlund
der Welt
die schwarze Kerne
vom Menschen
ausspucken wird.

aus: “Nachtflug zur Erde”

geb. 1971, lebt in Mainz. Er beschäftigt sich u. a. mit politischen Fragen, die um erlebte Behinderungen kreisen, bekommt in Mainz persönliche Assistent (Hilfe, “Pflege”). Ein Zitat: “Treppen sind Behinderungen”. In seinem lyrischen Schaffen klammert er diese Themen jedoch meistens aus. Der Lyriker schreibt seit 1996, in den letzten Jahren oft angestachelt von seinem Mann. 2005 erschien “Macht!Missbrauch” mit Inox Kapelle als Zeichner und Dr. Treznok als zweitem Lyriker. 2006 – zum zehnjährigen Schreiberjubiläum von Keitel – wurde “Nachtflug zur Erde” im Mauer-Verlag publiziert, sein erstes Solobuch.

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Henriette Clara Herborn

„ Anfänglich fragte Dr. Engel ziemlich unangenehme Sachen, die Steve mit einem Blick aus dem Fenster oder einer Schlafsimulation quittierte, etwa wie: „An was erinnern Sie sich?“, „Woher kommen Sie?“, oder, die nervigste Frage, „Wer sind Sie?“
Und dann diese mitreißenden Vorträge, meistens zum Thema „emotionale Störung“ oder „neurotisches Zwangsverhalten“. Aber schließlich, dachte Steve, kamen sie sich doch näher, denn Dr. Engel veränderte sich während der Therapie in äußerst angenehmem Maße.“

aus: “Alles über Steve”

geb. 1978 in Mainz. 1997/98 Reisen durch Europa und Afrika. Seit 1998 Studium der Filmwissenschaft/Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. 1999 nominiert zum Glaser-Förderpreis. 2005 2. Platz beim Förderpreis der Stadt Mainz.

Veröffentlichungen: “Zufall. 11 Erzählungen” (2005), Zwei Erzählungen in der Anthologie „Vorkehrungen“ (2004).

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Gottfried Teichner

Ich stand für einen Augenblick am Fenster und blickte hinaus in die Nacht. Klar war die Dunkelheit; hell und voll stand der Mond am Firmament; ein rötlicher Hof umgab ihn; es würde noch kälter werden, schon bald. Unter dem Leuchten der Sterne schrie ein Vogel verwirrt durch einen einsamen Traum inmitten der Riesenstadt. Irgendwo lief Musik. Milchig und warm schien ihr Körper in der Dunkelheit, als ich mich umwandte. Ruhig atmete sie im schlaf. Wenn ich jetzt die Augen schlösse . . . .

geb. 1967 in Mainz, verheiratet, zwei Kinder, Arzt für Betriebsmedizin.

Veröffentlichungen: “Nebenwirkung Mord” (Roman 2005), “Peter und Wolfi” (Kinderbuch 2005), “Das Staunen der Welt 1-4″ (Romane 2005), “Australischer Sommer” (2004 Roman), “In Julias Augen” (Roman), “Verführung” (Kurzgeschichten 1998).

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Bernd Cailloux

Wo bleiben denn die Visionen, die Überzeugung fürs Ganze? sagte er, wir bringen ein neues Licht in die Welt, wir werden damit die Lebensgewohnheiten einer ganzen Generation verändern – was willst du mehr?

aus: “Das Geschäftsjahr 1968/69″

geb. 1945 in Erfurt, lebt als freier Schriftsteller in Berlin.

Veröffentlichungen: “Das Geschäftsjahr 1968/69″ (2005), “Die sanfte Tour” (1989), “Intime Paraden” (1986).

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Irina Wittmer

Mainz liegt auf Hügeln an einem berühmten Fluß und wie Rom hat es einen Heiligen Stuhl. Das Klima ist trocken und mild. Bei gutem Wetter sitzen Frauen und Männer vor den Weinstuben und unterhalten sich. Liebenswürdig geben sie Auskunft, und in den Geschäften beraten die Verkäuferinnen engagiert, sogar die anspruchsvolle Kundschaft von Wiesbaden kommt herüber.
Aber das goldene Mainz ist eine verletzte Stadt, das wird mir immer deutlich, wenn ich Photos betrachte, die vor der verheerenden Bombardierung aufgenommen wurden. Vielleicht haben wir nur deshalb kein jüdisches Museum, weil sich die Leute bis heute schämen?

aus: “Linda Haselwander”

geb. 1953 in Karlsruhe und lebt in Mainz. Sie schreibt Erzählungen, Romane und Hörstücke. Ihr Werk setzt sich mit der gesellschaftlichen Situation der Frau auseinander. Intensive Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Kultur. 2005 erschien beim Rhein-Mosel- Verlag der Roman „Linda Haselwander“.

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