Olaf neopan Schwanke

Dezember 27, 2006 | Comments Off

Seinetwegen
Nächtetiefes Nähertreten
auf befrostetem Gelände,
rau zerpflückten Rosenbeeten.
Ziemlich aufgewühlte Hände
irisieren unser Wollen.
Schimmernd fragst du, wie ich’s fände.
Schlaf befragt uns, ob wir’s sollen.
Nimmermüdes Nebellachen,
ölig trinkt es aus dem Vollen.
Lautlos liegen deine Sachen
tagbetrunken überall herum. Sie sind Propheten
eines weichen „morgen-werden-wir-vielleicht-erwachen.“
Studium der Kunst und Germanistik und der Neuen Deutschen Literaturwissenschaften an der Universität-GH Siegen. Unterrichtet seit 2001 an der GTS [...]

Christa Kempter

Dezember 13, 2006 | Comments Off

Zuerst hatte Lucy eine rosa Feder im Sand entdeckt.
Sie zog daran, doch die Feder steckte fest.
Sie buddelte ein wenig und sah einen ganzen Flügel.
Sie buddelte weiter und weiter
und hielt einen Engel an der Hand.
aus: “Lucy und der Engel”
geb. 1945 in Ingelheim. Dort arbeitet sie als Kinderbuchautorin, schreibt außerdem Geschichten für Rundfunk, Fernsehen, Anthologien und Kinderzeitschriften. [...]

Eugen Egner

November 29, 2006 | Comments Off

den 2:ten November 1787
nach der Singeacademie mit den Weberschen und dem Süssmayer prallwurst im prater gegessen. kam der Schickander und gaab uns kleine pillulen, daß wir kaum noch zwischen Domm und sperrstunde hindurch paßten. alsdann zum Beethoven, unter seinem fenster ein fatales notturno aufgeführt ad libitum: Betthoven, alter salatschnauzer, fischplattler, schneyder gottes, panoramascheibist! – trägst [...]

Imre Török

November 11, 2006 | Comments Off

Künftiges allein. Bewegt. Sich. Auf uns zu. Zukunft spielt offen mit Spielbereiten.
Spannt im Morgengrauen ihren Silberfaden, krallt Füßchen daran fest, schmiegt ihre flatternden Flügel ans Rotschimmer-Gefieder und singt. In den freien Nordwind. Vom Mut der Demut.
Zwischen verspielten Lächeln der Nacht auf Rosenlippen, zwischen all diesem Gutbösen des Irdischen tagtäglich, vielleicht schaute ich, im Buchstabenchaos, im [...]

Anna Rheinsberg

November 1, 2006 | Comments Off

Er schenkt mir eine Kette aus bunten Glasperlen. Er schenkt mir kleine Kuchen und einen Fisch, eine Plastikform zum Kiesel-, Dreck-, und Muschelbacken. Ein Kind hat den Fisch verloren. Strandgut. Er schenkt mir Wörter, eine mit Straß besetzte Agraffe und zwei Federn eines Reihers. Sein Schatten fällt auf meinen, wenn wir vom Kastell aus über [...]

Manfred Keitel

Oktober 18, 2006 | Comments Off

Lebensversicherung
die Vertreter
schreiten aus
ihre Versicherungen
in die Koffer gepackt
hinein
in den Schlund
der Welt
die schwarze Kerne
vom Menschen
ausspucken wird.
aus: “Nachtflug zur Erde”
geb. 1971, lebt in Mainz. Er beschäftigt sich u. a. mit politischen Fragen, die um erlebte Behinderungen kreisen, bekommt in Mainz persönliche Assistent (Hilfe, “Pflege”). Ein Zitat: “Treppen sind Behinderungen”. In seinem lyrischen Schaffen klammert er diese Themen [...]

Henriette Clara Herborn

Oktober 4, 2006 | Comments Off

„ Anfänglich fragte Dr. Engel ziemlich unangenehme Sachen, die Steve mit einem Blick aus dem Fenster oder einer Schlafsimulation quittierte, etwa wie: „An was erinnern Sie sich?“, „Woher kommen Sie?“, oder, die nervigste Frage, „Wer sind Sie?“
Und dann diese mitreißenden Vorträge, meistens zum Thema „emotionale Störung“ oder „neurotisches Zwangsverhalten“. Aber schließlich, dachte Steve, kamen sie [...]

Gottfried Teichner

September 27, 2006 | Comments Off

Ich stand für einen Augenblick am Fenster und blickte hinaus in die Nacht. Klar war die Dunkelheit; hell und voll stand der Mond am Firmament; ein rötlicher Hof umgab ihn; es würde noch kälter werden, schon bald. Unter dem Leuchten der Sterne schrie ein Vogel verwirrt durch einen einsamen Traum inmitten der Riesenstadt. Irgendwo lief [...]

Bernd Cailloux

September 13, 2006 | Comments Off

Wo bleiben denn die Visionen, die Überzeugung fürs Ganze? sagte er, wir bringen ein neues Licht in die Welt, wir werden damit die Lebensgewohnheiten einer ganzen Generation verändern – was willst du mehr?
aus: “Das Geschäftsjahr 1968/69″
geb. 1945 in Erfurt, lebt als freier Schriftsteller in Berlin.
Veröffentlichungen: “Das Geschäftsjahr 1968/69″ (2005), “Die sanfte Tour” (1989), “Intime Paraden” [...]

Irina Wittmer

August 30, 2006 | Comments Off

Mainz liegt auf Hügeln an einem berühmten Fluß und wie Rom hat es einen Heiligen Stuhl. Das Klima ist trocken und mild. Bei gutem Wetter sitzen Frauen und Männer vor den Weinstuben und unterhalten sich. Liebenswürdig geben sie Auskunft, und in den Geschäften beraten die Verkäuferinnen engagiert, sogar die anspruchsvolle Kundschaft von Wiesbaden kommt herüber.
Aber [...]

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