Jörg Sternberg

Insgesamt kann Zwergel zufrieden sein: die Seuche weit weg, die Börse erholt, der Diktator vor Gericht, Rostock geschlagen, das Genom entschlüsselt, die Hochburg genommen, der Motor verstärkt, die Eifel erloschen, der Markt befreit, die Welt erlöst.
Haas steht im Endspiel.
Das Wetter nur trübt den Tag. Keine Sonne will aus dem Gewölk da über ihm, nicht eine. In Jakutsk ist das Wetter noch schmuddeliger, es reißt eine ganze Stadt weg mit Brücken und Bevölkerungsteilen. Da schalten wir lieber aufs traumhaft Versinkende. Frau Zwergel fährt mit nach Venetien. Es kann traut werden daheim.
Weil: Dafür haben die Zwergels zu hart gearbeitet ihr Leben lang, dass jetzt die Eifel wieder ausbricht oder das Genom ein Rätsel bleibt oder der Serbe ungeschoren davonkommt.

aus: “Vom Verflimmern der Wirklichkeit”

geb. 1940 in Erfurt. Abitur, Studium (Germanistik, Geschichte) und Referendarausbildung in Mainz. Gymnasiallehrer, lebt in Hanau. Mitglied im Literatur-Forum Hanau/Main-Kinzig-Kreis. Schreibt Prosa, Lyrik, Theatertexte. Publiziert in Literaturzeitschriften wie “fragmente”, “ort der augen” und “krautgarten”.

Veröffentlichungen: “Vom Verflimmern der Wirklichkeit. Erzählungen, Satiren, shortcuts zur Traumfabrik Television” (2003), “Der plötzliche Befall der Leute durch Vereinigung” (Erzählungen 1992), “Ikarus” (Kurzprosa und Lyrik 1989), “Stattleben” (Roman 1988).

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