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August 18, 2009 | Kommentare deaktiviert

Mein Verleger macht Druck, nervt mit wöchentlichen Anrufen und E-Mails, die ihrerseits mit abgehangene Lügen von Ruhm und Reichtum nerven. Dreihundert Seiten, am besten bis vorgestern. Aber Schreiben ist ein Job für Lebensverweigerer, ist Weltflucht und Maulheldentum. Was ich brauche, ist Zerstreuung, ist die Verschwendung meiner selbst, also zigeunere ich nächtelang durch den öffentlichen Raum, schalte auf Autopilot, meist mit vernebeltem Bewusstsein. Zwischendurch hänge ich stundenlang vorm TV, bereite der Langeweile ein Festmahl, zelebriere die wiedergewonnene Entscheidungshoheit.

aus: „Unzucht“

geb. im Jahre des Herrn 1967 in Nowosibirsk; Mitglied im Vereinsvorstand von Traktor Tscheljabinsk; Bachmannpreisträger der Herzen; zurzeit in Hamburg ansässig.

Veröffentlichungen u.a: „Unzucht“ (Ventil-Verlag 2009), „Angsterhaltende Maßnahmen“ (Ventil-Verlag 2006), „Weisswasser“ (zusammen mit Antje Herden, Seeliger-Verlag 2006), „Vorkriegsjugend“ (Ventil-Verlag 2003).

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