Sigfrid Gauch

Ungespreizt

Genau so machen wir’s hast du
gesagt hast es gemacht. Das Ja
das die Erinnerung heraufbeschwört
nichts auslässt nichts vergisst. Für
alles Andere war es zu spät war es
zu früh was hätte uns ein andrer Plan
genützt vielleicht der Gang durchs Ried
oder zum Grasberg hoch? Du hattest
keine andre Chance mehr lacht sie
als dieses Ja nur Ja mein Feucht
Gebieter. Noch vor Minuten
ihre Nachricht hastig lass dir Zeit rief
sie lass Zeit dir denn sie wollte
vorbereitet sein auf seine Hand auf
seinen Blick. Jetzt steht sie lässig da
im kurzen Hemd leicht angelehnt
als achtsam er zu ihr hinan
die Stufen nimmt den Blick
von ihren schönen Zehen körperauf
bis dahin gleiten lässt wo Bestform
herrscht wo Außen Welt und Zeit
Vertreib sich wandeln körpereins.

Aus: »Die unverschämte Gegenwart«

Sigfrid Gauch, 1945 in Offenbach am Glan geboren, lebt in Mainz; Studium der Germanistik und Philosophie, Promotion; bis Frühjahr 2010 Literaturreferent im rheinland-pfälzischen Kulturministerium; bis 2009 Vizepräsident und Writersin-Exile-Beauftragter des P.E.N.-Zentrums Deutschland; zahlreiche Publikationen seit 1968, zuletzt »Gegenlichter«, Gedichte (2005); »Vaterspuren – Eine Lebensgeschichte« (Übersetzungen in Israel und USA, 2005); »Ein Regen aus Kieseln wird fallen« (Texte aus dem Exil, 2009); Initiator und Mitherausgeber aller 15 Bände des Jahrbuches für Literatur seit 1994, zuletzt »Die unverschämte Gegenwart« (2009). www.sigfrid-gauch.de

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