Daniel Klaus

Grünflächen zwischen den Wohnblöcken, übten an den Teppichstangen Klimmzüge oder perfektionierten uns im Schweinebaumeln, indem wir uns von den Teppichstangen kopfüber nach unten hängen ließen, solange, bis uns das Blut ins Gesicht floss und die Kniekehlen taub wurden. Wir spielten auf den Klingelanlagen Klavier und lauschten mit angehaltenem Atem den durcheinandersprechenden Stimmen. Wir waren alle sieben oder acht Jahre alt, und wir waren eine Geheimbande, die sich nachts, wenn die Fenster in den Wohnblöcken dunkel wurden, heimlich mit ihren Taschenlampen Botschaften zufunkte.

Aus: »Angeln«

Daniel Klaus, geboren 1972 in Wiesbaden. Studium der Evangelischen Theologie in Mainz und Berlin. Lebt und arbeitet als freier Autor in Berlin und Istanbul. 2000 Walter-Serner-Preisträger. 2003 Literaturförderpreis Ruhrgebiet. 2004 Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste. 2006/2007 Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung. Kolumnist für die taz und die Wochenzeitung »der Freitag«. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien und im Radio, u.a. in: »Am Erker«, »Lichtungen«, »Podium«, »Konzepte«, »macondo«, im Knaur-Verlag, im konkursbuch-Verlag und auf SWR2. www.danielklaus.com

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