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Ingo Schulze
Januar 14, 2012 | Kommentare deaktiviert
In der DDR waren die Buchläden in den Kleinstädten und größeren Dörfern die eigentlichen Schatzkisten – je kleiner das Nest, desto besser. Oft genügte schon ein Schreibwarenladen, um Auto- oder Fahrradfahrten zu unterbrechen. Sah man im Schaufenster einen bislang ungehobenen Schatz, wartete man auch gern das Ende der Mittagspause ab oder meditierte vor dem Schild »Komme gleich wieder«. Waren wir zwei oder mehr Interessenten, konnte es Streit geben. Wer hatte es zuerst gesehen? Wem war beim letzten Mal der Vortritt gelassen worden? Was in Dresden oder Leipzig gar nicht erst in der Auslage erschien oder noch am selben Tag ausverkauft war, dämmerte in kleineren Orten oft einige Tage, mitunter unfassbare Wochen lang unentdeckt vor sich hin. In der Provinz geschahen die Wunder.
Aus: »Was wollen wir?«
Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, Studium der Klassischen Philologie und Germanistik in Jena. Er arbeitet als Dramaturg, Journalist und freier Schriftsteller und lebt mit seiner Familie in Berlin. Zahlreiche Preise und Veröffentlichungen. U.a. aspekte-Literaturpreis, Joseph Breitbach Literaturpreis, Preis der Leipziger Buchmesse, Mainzer Stadtschreiber 2011. www.ingoschulze.com
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