Sabine M. Krämer

Komm her mein Schatz und leg dich zu mir ins kühl bezogene Bett. Zieh das Gitter hoch, über uns hängt glatt der Galgen. Mein Schatz, wie schön, dass du kommst, ich freue mich so. Im eckigen Unter geschoss, vor dem Fenster ein dicker Strauch, inzwischen braun im Herbst. Komm näher, fass meine Hand, komm, mein Hemd ist weiß und offen. Da drüben bist du, mein Schatz, nicht zu fassen, deinen Hemdsaum berühre ich, geh nicht zurück! Meine Hände wollen sich ausruhen in deinen Taschen, in deinem Schoß, mein Schatz. Komm zu mir in den Garten – siehst du die Früchte? Setz dich. Nimm dir. Nimm, was du willst, aber bleib. Ich mache ein Feuer, wenn es kalt wird, es wird bald kalt und bald dunkel. Da mache ich uns ein Feuer. Wir legen Kartoffeln hinein. Wir wärmen uns die Knochen und wir erzählen uns Geschichten und wir schauen dabei in die Flammen, in die Glut hinein, in die Weißglut. Ich erzähle dir Geschichten zum Fürchten.

Aus: »Bis Später«

Sabine M. Krämer, geboren 1972 in Trier; Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Sonderpädagogik ohne Zertifikate. Lebt und arbeitet als Altenpflegerin und freie Autorin in Berlin. 1995 Martha-Saalfeld-Preis, 1997 Förderpreis zum Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz für junge Künstler; Amsterdam-Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben, 2000/2001 Stipendiatin im Künstlerdorf Schöppingen (NRW). 2010 Finalistin beim Georg-K.-Glaser-Förderpreis. Zahlreiche Bücher, Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Zuletzt: »Bis Später« (Roman, Mainz 2010).

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