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Matthias Boosch

Lasse erhob sich und stolperte in die Küche, ich schloss mich ihm an. Wir tranken literweise Wasser und betrachteten den tagelang nicht aufgeräumten Küchentisch, wie eine kleine Stadt sah er aus. »Ein Wolkenkratzer«, meinte Lasse und deutete auf den Multivitaminsaft. »Und das ein Kunstmuseum«, ich zeigte auf ineinander gestapelte Trinkgläser mit Paprikainnereien darin. Lasse entdeckte Knoblauchknollenhäuser und einen Marktplatz aus dreckigen Tellern, ich folgte von diesem einer Gabelbrücke über einen Fluss aus Soßenresten, die mich zu Zwiebelschalenslums am Stadtrand und einer Farm aus Kiwischalen führte. Wir verschoben die Zerstörung auf später und waren uns schnell einig unseren Kater entgegen lokalen Gepflogenheiten nicht mit einer Flasche Wodka auszukurieren, sondern indem wir durch die Sümpfe liefen.

Aus: »Eis«

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Matthias Boosch, geboren 1982 in Bischofsheim. Studium der Geschichte und Buchwissenschaft in Mainz, wo er bis heute lebt. Veröffentlichungen in verschiedenen Literaturzeitschriften, zuletzt erschien die Polit- und Mediensatire »Großtyphien schlägt zurück«. Seit einem längeren Lettlandaufenthalt schreibt er vorwiegend Kurzgeschichten, die im Baltikum spielen.