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Jan Drees

Manchmal regnet es (wie jetzt), wenn Du montagnachts gegen mein Parterrefenster klopfst. An der Türschwelle tropfen Deine nassen blonden Wuschelhaare aufs Parkett. „Rauchen wir eine Zigarette?“ fragst Du und bringst kalten Luftzug mit. „Komme ich ungelegen?“ Darauf gibt es keine Antworten.
Wenige Minuten später kochen wir Glückstee, ich suche ein Handtuch aus der Kommode, du kramst in Deiner Makrameetasche, „gibst du mir auch eine Kippe?“ frage ich und Du erinnerst mich nie daran, dass ich aufhören wollte. Das Momo-Ding: Solange wir rauchen, sind wir da. Wenn Du Tabak hast, drehst Du eine für mich mit.
Irgendwann hören wir im Hintergrund Singersongwriter-CDs, die Du mir aus einem alten Discman reichst… Als wir uns doch einmal küssten (was eigentlich verboten ist) sagtest Du: „Es ist das gleiche After-Shave wie damals.“ Sag es nochmal, bitte.

aus: „Riot Grrrl“

geb. 1979, lebt in Wuppertal, studierte Germanistik und Medienwissenschaften. Ist ehemaliger Leichtathlet, schreibt neben seiner Arbeit als Schriftsteller für das Literaturmagazin „Bücher“ und ist freier Autor beim WDR-Radio 1Live und war einen Sommer lang der Inselleser von Sylt. Sein Debütroman „Staring at the sun“ erschien in der Ur-Version 2000 und in einer überarbeiteten Remix-Version im Eichborn Verlag, wo auch sein zweiter Roman „Letzte Tage, jetzt“ 2006 erschien.

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