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Moritz Heger

Draußen an der Hauswand liegt gefesselt der kleine Baum, den ich gekauft habe. Das duldet die Hausverwaltung, bei Sperrmüll wäre es was anderes. Im Kellerverschlag, der zum Apartment gehört, sind in einer Schuhschachtel ein paar bleiche Strohsterne, die waren preiswert letztes Jahr, und zwei sorgsam eingewickelte mundgeblasene Kugeln. Rötlich die eine, mit bräunlichen Schlieren, die andere in unregelmäßigem Ocker mit gelben Sprenkeln. Jede für sich sehr schön. Aber zwei Kugeln kann man anordnen, wie man will, es sieht immer löchrig aus. Natürlich könnte ich weiteren Schmuck selber machen, aus buntem Papier oder so. Es ist kurz nach drei. Den ganzen Nachmittag und Abend könnte ich hier am Schreibtisch sitzen und liebevoll irgendwas ausschneiden. Irgendwas auf irgendwas draufkleben; auch als Erwachsener schaffe ich es nicht, Uhu zu benutzen, ohne ihn danach von den Fingern reiben zu müssen.

aus: „In den Schnee“

geb. 1971 in Stuttgart, studierte Germanistik, evangelische Theologie und Theaterwissenschaften in Mainz. 2007 erhielt er den MDR-Literaturpreis und den dazugehörigen Publikumspreis; 2003 den Literaturförderpreis der Stadt Mainz. Er lebt als Gymnasiallehrer für Deutsch und Evangelische Religion in Stuttgart.

Veröffentlichungen u.a.: „In den Schnee“ (Roman. Salzburg: Jung und Jung 2008), „Ins Schwimmbad“, in: Michael Hametner (Hg.): „Die Zusammensetzung der Welt. Die besten Kurzgeschichten aus dem 12. MDR-Literaturwettbewerb“ (2007), „Nürn (Ausschnitt)“, in: „Kritische Ausgabe“ (Winter 2006/07), „Fannys Akzent“, in: „neue literarische pfalz“ (27/1999).

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