Archiv der Kategorie: Nadolny Sten

Sten Nadolny

Schwarz und verkrustet kauerte Hermes zwischen zwei kleinen Gebüschen aus dornigem Wolfsmilchkraut, den Rücken an einen Stein gelehnt. [ . . . ] Wie gern hatte er als Kind in Wäldern und Sümpfen, an Quellen und in prächtigen Wiesen gesessen, vor allem an den Wegkreuzungen der Menschenwelt, regungslos und einsam wie ein Steinkegel, und sich vorgestellt, er wäre unsichtbar. Später hatte er den Stab bekommen, der dies bewirken konnte, und er war gern unsichtbar. Faul daliegen, für niemanden erkennbar, den salzigen Wind spüren und mit kühlem Amüsement das Leben der Käfer und Libellen, der Menschen und Götter beobachten, das wollte er, das mußte wiederkommen.

aus: „Ein Gott der Frechheit“

geb. 1942 in Zehdenick an der Havel, in Oberbayern aufgewachsen, humanistisches Gymnasium, Studium der Geschichte und Politologie, Promotion, Lehrerexamen, Gymnasiallehrer in Berlin-Spandau. 1977 Wechsel vom Schuldienst zum Film: Fahrer, Requisiteur, Aufnahmeleiter, daneben Filmkritiken und Drehbuchversuche, 1980 Ingeborg-Bachmann-Preis für ein Kapitel aus dem späteren Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Weitere Literaturpreise: Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster (1985), Mainzer Stadtschreiber 2005.

Veröffentlichungen u.a. : „Das Erzählen und die guten Ideen“ (2000), „Ullsteinroman“ (2003), „Ein Gott der Frechheit“ (1994), „Selim oder Die Gabe der Rede“ (1990), „Die Entdeckung der Langsamkeit“ (1983).

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.