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Eva Paula Pick

Das fressen nur Wilde, sagte meine Großmutter und nahm einen Schluck Lebenswasser: Die Köpfe der Schafe hingen im Gras. Ihr Vater war an seinem Kopf gehangen. Aber Eugen, der große Bruder, hatte ihn abgeschnitten. Die Mutter hatte den Vater zu sich in den Himmel geholt. Und die Tante hatte sie in die Metzgerei geholt. Die Messer so groß wie das Kind. Messer, mit denen sie Würste vom Strang abschnitten. Schafswürste auch, nickte Großmutter triumphierend, viele Schafswürste auch. Haben alle ins Gras gebissen. Kopf hoch, murmelte meine Großmutter zu den Schafen hin. Mit Eiszapfen in den Augen knurrte sie dann, Fressen bis zum Grünwerden, schüttelte sich schließlich und eierte auf der Dorfstraße das letzte Stück zu ihrem Haus.

Aus: »Grüne Schafe«

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Eva Paula Pick lebt in Kaiserslautern als freie Schriftstellerin. Sie performt ihre Texte in Lyrik & Jazz-Auftritten, beschäftigt sich mit (Laut-)poesie, schreibt Szenisches und Prosa. Mehrere Literatur-Preise, Stipendiatin des Landes Rheinland-Pfalz in Vezelay. Veröffentlichungen: »Lapidosa«, »Tüpfelschiff tintenschwarz« (CD mit Jazz) und »Wo Hathors Kühe weiden« (2015).