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Sonja Ruf

Viertausend Jahre. Beschwörung oder Verwünschung. Als Sprache noch magische Handlung war. Pubertät der Menschheit. Die Klitoris der Kopf eines Vogels in einer Ackerfurche. Den Feind soll es dorthin verschlagen, wo Männer haarige Ärsche haben; der Geliebte soll bald in die Schenke kommen.
Alle Poesie ist Erotik. Eine Hand streichelt über etwas und heilt es. Schön oder hässlich. Die Handlung der Poesie ist magische Berührung. Nein. Nicht Streicheln: Nehmen. Nehmen. Von Anfang an. Es mangelt Essen. Mangelt Trinken. Mangelt Erkenntnis. Und Sex. Uns heute hier mangelt weder Essen noch Trinken. Wie kennen Erkenntnisunrast und Lust.
Aufgeregt bin ich. Froh. Bestätigt. Wenn mein Herz wegen irgendwem hüpft, überspringt es bloß viertausend Jahre. Der Sportbogen spannt sich. Der Pfeil trifft ins selbe Ziel.

aus: „Nacht im Hof“

aufgewachsenen im 350-Seelendorf Schömberg im Nordschwarzwald. Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin. Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Preis nach Klagenfurt, verschiedene Förderstipendien (u. a. auch Deutscher Literaturfonds) und Aufenthalte in Künstlerhäusern. Lebt nach Jahren in Stuttgart, Frankfurt/Main und Leipzig heute in Bad Neustadt an der Saale. Gibt Kurse in Kreativem Schreiben, lektoriert Manuskripte und hilft Menschen beim Verfassen ihrer Lebenserinnerungen.

Veröffentlichungen: „Zwischen Koch und Kellner“ (Erzählungen, Konkursbuchverlag 2006), Die Frau im Fels“ (Konkursbuchverlag 2003), „Sprungturm (Konkursbuchverlag 2001), „Evas ungewaschene Kinder“ (Nagel & Kimche 1996). Herausgebertätigkeiten: „Plus minus Null (FHL Taschenbuch 2009) und „Casino Rosenthal“ (FHL Taschenbuch 2008).

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